Die Limited nach dem Brexit

Wer nach dem Brexit nicht reagiert, riskiert schwerwiegende Nachteile.


Damals: Die Limited als Ersatz für die GmbH

Viele Unternehmer haben die Limited als Rechtsform neben anderen Gründen deshalb gewählt, um nicht sofort die Mindestkapitalvorschriften der GmbH (25.000 €) einhalten zu müssen. Durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) wurde die Limited als solche auch im deutschen Rechtsverkehr anerkannt.

Durch die Einführung der Unternehmergesellschaft (UG), die kein Mindestkapital kennt, ist ein wesentlicher Grund für die Wahl einer Limited weggefallen. Der Brexit im Jahr 2016 hat zudem das europäische Gesellschaftsrecht auf den Kopf gestellt - die Limited in Deutschland ist in größter Gefahr und dies bringt große Gefahren für die dahinter stehenden Unternehmer mit sich.

Heute: Was der Brexit für die Limited bedeutet

Die tatsächlichen Folgen des Brexit und des Ausscheidens des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union sind derzeit noch nicht absehbar. Eine sehr wahrscheinliche Folge ist jedoch, dass die Limited vom deutschen Recht nicht mehr anerkannt wird. Das bedeutet u.a.:

  • Die Gesellschafter einer (ehemaligen) Limited haften persönlich mit Ihrem gesamten Vermögen für Verbindlichkeiten der (ehemaligen) Limited.
  • Steuerrechtlich drohen hohe Steuernachzahlungen, weil stille Reserven aufgedeckt werden können oder ein Betriebsübergang fingiert werden kann.

Ob jenes Szenario eintritt, hängt von der tatsächlichen Ausgestaltung des Brexit ab.


Die Hintergründe - warum die Limited durch den Brexit in Gefahr ist

Dass die Limited bisher als Rechtsform in Deutschland anerkannt wurde, war nicht selbstverständlich. Der Grund dafür liegt im Internationalen Gesellschaftsrecht begründet.

Das deutsche Gesellschaftsrecht vertritt seit jeher die sog. Sitztheorie. Das bedeutet, dass sich das Recht einer Gesellschaftsform nach dem Ort des Verwaltungssitzes richtet. Eine Limited, die Ihren Sitz in Deutschland hat, wäre demnach rein nach deutschem Recht zu bewerten. Und da das deutsche Recht die Limited nicht kennt und diese i.A. auch nicht die Voraussetzungen erfüllt, die an die Gründung einer GmbH o.ä. gestellt werden, versagt das deutsche Recht der Limited mit Sitz in Deutschland die Anerkennung als rechtsfähig. So war es auch sehr viele Jahre.

Dies änderte sich mit der Integration der Bundesrepublik Deutschland in die Europäische Union. Die EU kennt die Grundfreiheit der Niederlassungsfreiheit. Der Europäische Gerichtshof hat in mehreren Entscheidung bestimmt, dass ein EU-Mitgliedsstaat die zugezogenen Rechtsformen eines anderen Mitgliedsstaats als rechtsfähig anerkennen muss. Erst dadurch erhielt die Limited Einzug nach Deutschland.

Wenn nun das Vereinigte Königreich nicht mehr EU-Mitgliedsstaat ist, dann kann es sich auch nicht mehr auf die Niederlassungsfreiheit berufen. Das deutsche Recht fiele also für die englische Limited zurück auf die oben beschriebene Sitztheorie. Auch bereits viele Jahre lang bestehende Limiteds müssen befürchten, nicht (mehr) als rechtsfähig anerkannt zu werden.


Gestaltungsmöglichkeiten: Rückkehr in die "Legalität"

Fest steht nach allem, dass das Festhalten an der Limited ein sehr hohes Risiko mit sich bringt und im Allgemeinen nicht empfohlen werden kann. Unternehmer sollten sich auf jeden Fall Gedanken darüber machen, da der zugehörige Betrieb unmittelbar betroffen ist.


Es geht einige Ansätze, wie das Problem zu lösen sein kann. Der Ansatz ist aber immer das Umsatteln auf eine deutsche Gesellschaftsform, nur der Weg dahin unterscheidet sich.


  • Übertragung des Betriebs im Wege eines "asset deals" auf eine deutsche Gesellschaftsform
  • Grenzüberschreitender Formwechsel, z.B. von der Limited in eine UG oder GmbH
  • Grenzüberschreitende Verschmelzung, z.B. Verschmelzung der Ltd. mit einer aufnehmenden UG oder GmbH

Alle Wege sind für sich eine komplexe Angelegenheit und sollten sowohl aus rechtlicher Sicht als auch aus steuerlicher und unternehmerischer Sicht klar durchdacht sein.


Wir helfen Ihnen gerne bei einer ersten Einschätzung Ihrer Lage und setzen den Plan auch gerne mit Ihnen in die Tat um.

Vereinbaren Sie gerne unter der Telefonnummer rechts einen Beratungstermin.



Rechtsanwalt Benjamin Christian Schell
Ihr Anwalt für Gesellschafts- und Vertragsrecht

 

Rechtsanwalt Benjamin Christian Schell arbeitet im Büro in Mannheim und ist spezialisiert auf die Bereiche Vertragsrecht, Wettbewerbsrecht und 
Gesellschaftsrecht mit Hauptfokus auf Merger & Acquisition/Unternehmenskauf sowie Handels- und Vertriebsrecht. Darüber hinaus verfügt er über Kompetenzen im Franchiserecht sowohl auf Seiten der Franchisegeber als auch der Franchisenehmer. Er berät Mandanten auf Deutsch und Englisch.